Post Covid und Fehldiagnosen: Wenn Burnout und Depression nicht passen

Nach dem zweiten massiven Einbruch war klar:

So wie bisher ließ sich dieser Zustand nicht mehr erklären – weder für mich noch für die Menschen, die mich begleiteten. Ich suchte nicht nach einer „schweren Diagnose“. Ich suchte nach etwas, das mein Erleben nachvollziehbar macht

Zu diesem Zeitpunkt war Long Covid in meinem Umfeld immer wieder Thema. Und doch war ich überzeugt: Mich betrifft das nicht.

Gleichzeitig wurde mir zunehmend bewusst, dass sich meine Symptome seit der zweiten Infektion deutlich verstärkt hatten – und sich nicht mehr besserten.

Begriffe wie Post Covid, ME/CFS, PEM oder MCAS waren mir damals nicht vertraut.

Auch medizinisch wurde mein Zustand zunächst nicht in diesem Zusammenhang gesehen – nicht zuletzt, weil sich kaum jemand ernsthaft damit auseinandersetzen wollte.

Burnout als Erklärung – warum sie bei Post Covid nicht trägt

Also war Burnout die erste Einordnung, die im Raum stand. Viel Belastung. Wenig Erholung. Stets Bewegung, kein Stillstand. Ein Körper, der irgendwann nicht mehr anders kann als auszubrennen.

Auf den ersten Blick klang das logisch und stimmig zu dem, was man von außen sehen konnte. Doch je länger ich in diesem Zustand war, desto deutlicher wurde:

Diese Erklärung trägt nicht.

Burnout erklärte nicht,

  • warum selbst kleine Tätigkeiten zu deutlicher Verschlechterung führten
  • warum Erholung keine spürbare Wirkung hatte
  • warum mein Zustand nicht zumindest langsam besser wurde
  • warum Konzentration, Wahrnehmung und Belastbarkeit so stark eingeschränkt waren

Vor allem erklärte Burnout nicht, warum Aktivierung eher schadete als half.

Depression als Diagnose – warum auch sie nicht stimmig war

Als sich keine Besserung einstellte, kam der Begriff Depression ins Spiel. Nicht, weil ich hoffnungslos war. Nicht, weil mir alles gleichgültig erschien. Nicht, weil mir Lebensfreude fehlte.

Sondern weil ich wenig Energie hatte und mich deshalb zurückzog. Weil mein Alltag stark eingeschränkt war.

Doch auch diese Einordnung passte nicht. Ich wollte. Ich hatte Interesse. Ich hatte innere Bewegung. Was fehlte, war nicht Motivation – sondern Zugriff auf Energie. Die Einschränkung saß nicht im Denken. Sie saß im Körper.

Wie geht es weiter, wenn medizinische Erklärungen an ihre Grenzen stoßen?

Burnout und Depression sind reale Erkrankungen, die vieles erklären und deswegen sehr oft anstelle von Post Covid und / oder ME/CFS herangezogen werden.

Aber sie erklärten nicht:

  • die ausgeprägte körperliche Schwere
  • die ständigen Schmerzen
  • die massive Konzentrationsstörung
  • die Reizüberempfindlichkeit
  • die Unvorhersehbarkeit meines Zustands
  • die Verschlechterung nach Belastung

Vor allem erklärten sie nicht, warum mein Zustand auf Aktivität mit Abbau statt Aufbau reagierte. Je länger diese Begriffe im Raum standen, desto stärker begann ich, mich selbst infrage zu stellen.

Wenn fehlende Erklärungen zu Selbstzweifeln führen

Wenn Erklärungen nicht passen, entsteht ein gefährlicher Zwischenraum.

Ich fragte mich:

  • Übersehe ich etwas?
  • Stelle ich mich an?
  • Mache ich etwas falsch?

Denn wenn die Begriffe nicht stimmen, liegt der Fehler scheinbar bei einem selbst. Dieser Zustand belastete mich nicht nur körperlich, sondern stellte auch mein Selbstverständnis infrage.

Der Wunsch den eigenen Zustand zu verstehen

Ich suchte keine Etiketten. Ich suchte Klarheit. Worte, die erklären, warum mein Körper so reagiert. Warum Belastung nicht stärkt. Warum Erholung nicht greift. Warum alles so fragil ist.

In dieser Phase war mein Zustand namenlos. Zu krank für „einfach erschöpft“. Zu funktional für das, was man sich unter schwerer Krankheit vorstellt. Und genau dieses Dazwischen macht es so schwer – für Betroffene wie für das Umfeld.

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