Unterforderung, Angst und der Versuch, Stabilität zu finden
Dieser Text ist eine Momentaufnahme meines Lebens mit Post Covid. Keine Lösung, kein Fazit. Sondern ein ehrlicher Blick auf das Dazwischen.
Es ist schwer, sich selbst wieder zu vertrauen, wenn der Körper unberechenbar geworden ist. Im Moment vermischen sich bei mir zwei Dinge, die sich gegenseitig verstärken:
Unterforderung. Und die Angst, dass es schlechter werden könnte.
Eine schlechte Kombination.
Denn zu viel kann Zustandsverschlechterung bedeuten. Und zu wenig lässt alles in mir erstarren.
Ich weiß, dass ich meine Grenzen im Blick behalten muss. Und gleichzeitig bin ich ganz schlecht darin, mich selbst zu begrenzen. Wenn ich etwas mache, dann richtig. Wenn ich im Flow bin, fällt es mir schwer, aufzuhören.
Ich gehe nicht zehn Minuten um den Häuserblock und bin erfüllt. Ich will in den Wald. Von einer Wanderung in die Berge wage ich nicht mal zu träumen. Ich will gehen, ohne mitzuzählen. Ohne zu überlegen, ob der nächste Schritt vielleicht schon zu viel ist.
Gerade das fehlt.
Nach der Reha (ca. 6 Wochen) war kaum Raum zum Ankommen. AMS-Termin. Geldfluss klären. Neue Reha beantragen. Eine andere Einrichtung bewilligt bekommen – und wieder erklären, warum sie für meinen Zustand nicht passt. Erste Begutachtung. Zweite steht noch an. Wieder erklären und hoffen, dass nicht komplette Unkenntnis über diese Krankheit herrscht.
Dazwischen diese leise, dauerhafte Unruhe: Wie geht es weiter? Wird es besser? Wird es wieder ein Leben geben, das sich nach mir anfühlt?
Alles, was mir guttun würde, bleibt oft auf der Strecke. Nicht aus Unwillen. Sondern weil Stabilität fehlt.
Und genau das sieht von außen kaum jemand.
Behörden sehen Akten. Gutachter sehen Zeitfenster. Aber sie sehen nicht, wie sehr dieses permanente Aushalten auf die Psyche schlägt. Manchmal fühlt es sich an wie ein Teufelskreis: Wenig Bewegung verursacht Schmerzen. Mehr Bewegung macht Angst. Angst macht eng. Enge macht müde.
Und dann denke ich: Andere haben es schlimmer. Und gleichzeitig ist es für mich gerade schwer genug.
Beides darf wahr sein.
Ich beginne gerade wieder ganz langsam. Mit wenig Reizen. Mit kleinen Schritten. Und dem Versuch, mir einzureden, dass auch zehn Minuten ums Haus spazieren erfüllend sein können.
Es ist mühsam. Und es ist nicht das Leben, das ich mir wünsche. Aber es ist das, was gerade da ist.
Und wer weiß, vielleicht beginnt Vertrauen nicht damit, alles im Griff zu haben – sondern damit, ehrlich hinzusehen, ohne sich selbst dafür zu verurteilen. Und trotz allem die Zuversicht nicht ganz zu verlieren.