Dieser Beitrag ist ein persönlicher Erfahrungsbericht. Er beschreibt die Zeit, bevor es Diagnosen gab – bevor Begriffe wie Post Covid, ME/CFS oder PEM eine Rolle spielten.
Es geht um frühe Veränderungen, die sich zunächst nicht eindeutig einordnen ließen. Und um das Weiterfunktionieren, obwohl sich etwas langsam verschob.
Frühe Veränderungen – lange bevor es eine Diagnose gab
Am Anfang gab es keinen klaren Einschnitt.
Keinen bestimmten Tag, an dem plötzlich alles anders war.
Es war eher ein schleichender Prozess.
Ich oft war erschöpft. Häufig nahm ich ein Gefühl von Schwere wahr. Ich fühlte mich überfordert, ohne ersichtlichen Grund.
Müdigkeit war mir bekannt. Ich hatte ein forderndes Leben, viel Verantwortung, wenig Pausen. Dass Erschöpfung dazugehört, erschien mir normal. Also machte ich weiter. Ich fand immer wieder neue Erklärungen, warum es gerade anstrengend war. Dass jetzt nicht der passende Zeitpunkt war, innezuhalten und später noch Zeit für Erholung blieb.
Veränderte Belastbarkeit im Alltag
Mit der Zeit veränderte sich mein Alltag – nicht abrupt, sondern in kleinen Verschiebungen. Ich brauchte länger für Dinge, die früher selbstverständlich waren. Meine Belastbarkeit schwankte. Meine Leistung war nicht mehr abrufbar. Erholung fühlte sich weniger wirksam an. Mein Körper wurde langsamer. Doch ich war noch nicht bereit, mein Tempo zu reduzieren.
Im Gegenteil: Ich baute Druck auf und trieb mich noch weiter voran.
Rückblickend war das der Punkt, an dem sich Körper und Kopf auseinanderbewegten. Damals konnte ich das nicht benennen. Ich spürte nur, dass etwas nicht mehr stimmig war.
Warum frühe Post-Covid-Symptome oft nicht erkannt werden
Diese frühen Veränderungen sind schwer greifbar – für Betroffene selbst, aber auch für das Umfeld.
Es gibt:
- keine klaren Symptome
- keine eindeutigen Befunde
- keine sichtbaren Einschränkungen
Man funktioniert noch. Man wirkt nach außen stabil. Und genau deshalb wird vieles relativiert – auch von einem selbst.
Ich habe mir lange gesagt, dass es nichts Ernstes ist. Dass ich mich nicht so anstellen soll. Dass andere das auch schaffen.
Heute weiß ich: Das war kein fehlender Wille.
Es war ein Körper, der früh Signale gesendet hat. Die mein Kopf konsequent ignorieren wollte.
Warum frühe Symptome oft erst im Nachhinein Sinn ergeben
Erst rückblickend wurde mir klar, dass diese Phase der Anfang war.
Nicht der Anfang von Post Covid im medizinischen Sinn – sondern der Anfang einer Veränderung, die ich lange nicht ernst nehmen konnte.
Dieser Text ist kein Rückblick mit Vorwurf.
Er ist ein Versuch, sichtbar zu machen, wie unauffällig vieles beginnt – und warum so viele Betroffene erst spät verstehen, was passiert.
Ich habe lange nicht auf die frühen Signale meines Körpers reagiert. Ob ein früheres Innehalten den Verlauf gemildert hätte, lässt sich im Nachhinein nicht beantworten.
Was ich heute über PEM weiß:
Bei Post Covid und PEM kann wiederholte Überlastung zu weiterer Verschlechterung führen. Und genau deshalb ist es so wichtig, frühe Veränderungen ernst zu nehmen – nicht aus Angst, sondern aus Schutz.
Wenn meine Geschichte dazu beiträgt, dass andere früher innehalten, genauer hinspüren oder sich selbst weniger infrage stellen, dann hat hat mein Beitrag seinen Sinn erfüllt.