Meine Erfahrung zwischen Funktionieren und Zusammenbruch
Hinweis:
Dieser Beitrag ist bewusst ruhig und klar gehalten.
Am Ende findest du eine kurze Zusammenfassung für Tage mit wenig Energie.
Ein persönlicher Erfahrungsbericht mit Einordnung
Lange Zeit spürte ich, dass etwas nicht stimmt. Und doch funktionierte ich einfach weiter – wie ich es gewohnt war. Erschöpfung? Klar. Aber für Erholung würde später Zeit sein.
Nur: Irgendwann war später zu spät.
Im Herbst 2024 passierte, was sich schon länger abzeichnete: der Zusammenbruch.
Kein kurzes Innehalten, sondern ein tiefes, totales Aus. Ich konnte meinen Alltag kaum noch bewältigen, zog mich zurück, wollte niemanden sehen. Was mich früher aufgerichtet hatte, schwächte mich zumehmend.
Alles war zu viel. Nichts fühlte sich mehr nach mir selbst an.
Kaum jemand konnte verstehen, was mit mir los war. Ich am allerwenigsten. Die wenigsten wollten verstehen. Die meisten wandten sich ab. Ich war allein – in einer neuen Stadt. Mein Tief und ich.
Was Post Covid bedeutet
Post Covid beschreibt anhaltende oder neu auftretende Symptome nach einer überstandenen Covid-19-Infektion. Die akute Erkrankung liegt längst zurück – doch der Körper findet nicht mehr in seinen ursprünglichen Zustand zurück.
Der Begriff wird auch als Post-Covid-Syndrom oder Long Covid verwendet und kann Menschen unabhängig vom Schweregrad der vorausgegangenen Infektion betreffen. Für viele beginnt der eigentliche Kraftakt erst nach der Infektion.
Die Symptome können sehr unterschiedlich sein und sich im Laufe der Zeit verändern. Manche sind von Beginn an da, andere zeigen sich erst Monate später. In meinem Fall sendete mein Körper lange Signale, bis ich sie nicht mehr überhören konnte.
Heute weiß ich:
Es war keine Einbildung. Kein Stress. Kein „ein bisschen müde“. Sondern eine reale, körperliche Belastung.
Typische Symptome – und warum sie oft spät erkannt werden
Zu den häufigsten Beschwerden bei Post Covid zählen unter anderem:
- ausgeprägte Erschöpfung
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme („Brain Fog“)
- Kreislaufprobleme
- Reizempfindlichkeit
- Schlafstörungen
Was es so schwer macht:
Viele dieser Symptome sind von außen nicht sichtbar. Betroffene „funktionieren“ oft noch – zumindest eine Zeit lang. Untersuchungen bleiben unauffällig, Werte im Normbereich. Das führt nicht selten dazu, dass Beschwerden psychologisiert oder verharmlost werden.
Auch bei mir lauteten die ersten Diagnosen: Burnout. Depression. Doch das fühlte sich für mich nicht stimmig an. Ich hatte nur keine Kraft, zu widersprechen. Keine Energie, weiterzusuchen.
Wenn Funktionieren zur Falle wird
Mein erster schwerer Einbruch – ein sogenannter Crash – dauerte über zwei Monate. Eine zähe, dunkle Zeit, in der ich mich beinahe selbst verlor. Und doch blieb etwas in mir wach. Ein leiser innerer Widerstand. Der Wunsch, nicht aufzugeben.
Ich begann, jeden kleinen Funken Energie in Recherche zu stecken: nach Anlaufstellen, nach Erklärungen, nach Möglichkeiten, meinen Alltag irgendwie zu erleichtern. Der Prozess war mühsam, langwierig und kräftezehrend.
Irgendwann bekam das, was ich erlebte, einen Namen:
Post Covid. ME/CFS. PEM. MCAS.
Keine schöne Diagnose – und doch eine Erleichterung. Denn endlich hörte ich auf, mich selbst als Problem zu betrachten.
Unsichtbar – und trotzdem real
Was Post Covid und verwandte Erkrankungen so belastend macht, ist nicht nur das körperliche Erleben. Es ist auch die Unsichtbarkeit. Man sieht uns oft nichts an. Und genau das macht es für das Umfeld schwer – und für Betroffene oft noch schwerer.
Ich teile meine Erfahrungen nicht, um Mitleid zu bekommen. Ich sehe mich nicht als Opfer. Ich entscheide, wie ich mit Krisen umgehe, und lasse mich nicht unterkriegen. Dieses Mindset trägt mich durch Rückschritte, Crashs und all die Fragen, auf die es noch keine Antworten gibt.
Und trotzdem bleibt die Realität:
Nichts ist mehr planbar. Nichts wie früher. Und vielleicht wird es das auch nie wieder sein.
Akzeptanz ist keine Verharmlosung
Für mich war ein zentraler Wendepunkt, aufzuhören, gegen meinen Körper zu arbeiten. Mein Leitsatz wurde:
Mein Körper arbeitet für mich – nicht gegen mich.
Das bedeutet nicht, dass alles „halb so wild“ wäre.
Post Covid – und besonders ME/CFS und PEM – sind ernstzunehmende Erkrankungen. Sie lassen sich nicht mit positivem Denken wegatmen.
Auch ich kenne Phasen, in denen kein Licht, keine Musik, kein Reiz mehr möglich ist. In denen nur Dunkelheit und Stille bleiben. Es ist kein Wunschzustand. Aber es ist meine Realität. Ich kann dagegen ankämpfen und mir das Leben zusätzlich erschweren – oder annehmen, was ist, und versuchen, innerhalb dieser Grenzen so gut wie möglich für mich zu sorgen. Ich habe mich für Letzteres entschieden.
Lebensqualität ist trotz allem etwas anderes.
Warum ich darüber schreibe
Diese Texte sollen informieren. Verständnis wecken. Und zeigen: Du bist nicht allein.
Für Betroffene. Für Angehörige. Für alle, die besser verstehen möchten, was hinter Post Covid steckt – jenseits von Schlagzeilen und schnellen Erklärungen.
Kurz zusammengefasst (für Tage mit wenig Energie):
- Post Covid beschreibt anhaltende oder neue Symptome nach einer überstandenen Covid-Infektion.
- Die Erkrankung ist oft unsichtbar, aber real – und keine Einbildung.
- Erschöpfung, Brain Fog und Belastungsintoleranz können den Alltag stark einschränken.
- Viele Betroffene funktionieren lange weiter, bis der Körper nicht mehr kann.
- Akzeptanz bedeutet nicht Verharmlosung, sondern einen anderen Umgang mit den eigenen Grenzen.
- Du bist nicht allein – und du bildest dir das nicht ein.
Hinweis
Dieser Beitrag basiert auf meiner persönlichen Erfahrung und dient der Information. Er ersetzt keine medizinische Beratung.