Post Covid: Wenn Leistungsfähigkeit im Alltag plötzlich nicht mehr abrufbar ist

Dieser Beitrag beschreibt die Phase, in der sich die frühen Veränderungen – wie ich sie im Beitrag Erste Anzeichen von Post Covid – mein Weg vor der Diagnose beschrieben habe – zunehmend zuspitzten.

Nicht als plötzlicher Zusammenbruch – sondern als schrittweiser Verlust von körperlicher, kognitiver und emotionaler Leistungsfähigkeit.

Post Covid im Arbeitsalltag: Wenn gewohnte Leistung nicht mehr abrufbar ist

In dieser Phase begann ich einen neuen Job. Ein Neuanfang, auf den ich mich gefreut hatte.

Ich wollte lernen, wachsen, mich einbringen. Doch sehr schnell wurde klar, dass ich meine gewohnte Leistung nicht mehr abrufen konnte.

Ich hatte Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren. Aufgaben, die früher nebenbei erledigt waren, benötigten plötzlich ein Vielfaches an Zeit.

Zusammenhänge erschlossen sich mir nicht mehr automatisch.

Ich las Dinge mehrfach – und verstand sie trotzdem nicht. Gleichzeitig war mein Körper ständig erschöpft.

Ich arbeitete bis abends, aß unregelmäßig und meist ungesund – weil ich einfach keine Energie um einzukaufen oder zu kochen hatte – und ich war durchgehend überfordert.

Abends fiel ich ins Bett, kam kaum zur Ruhe und brauchte mehrere Stunden um einzuschlafen. Morgens wachte ich mit Kopf-, Rücken- und Gliederschmerzen auf. Fühlte mich krank.

Es war nicht nur Müdigkeit. Es war ein Gefühl von Leere, Schwere und innerer Überlastung, das sich nicht erklären ließ.

Rückblickend waren das typische kognitive Einschränkungen, wie sie bei Post Covid und ME/CFS häufig auftreten – lange bevor sie als solche erkannt werden.

Post Covid und Schlafstörungen: Wenn Erholung nicht mehr wirkt

Am Wochenende versuchte ich aufzuholen, was unter der Woche in der Arbeit liegen geblieben war. An Haushalt verschwendete ich schon lange keinen Gedanken mehr und auch mich selbst vernachlässigte ich immer mehr.

Ich wollte mich erholen, Kraft sammeln, wieder zu mir kommen. Doch Erholung funktionierte nicht mehr.
Ich schlief viele Stunden – oft mehr als dreizehn am Stück – und fühlte mich trotzdem nicht regeneriert.

Schon kurze Bildschirmzeit führte zu Augen- und Kopfschmerzen, verschwommenem Sehen. Geräusche, Licht und Gerüche wurden schnell zu viel.

Ich ging kaum noch vor die Tür. Nicht aus Rückzug, sondern weil mir die Energie dafür fehlte und ich Menschen nicht mehr ertragen konnte.

Irgendwann saß ich einfach da und starrte ins Leere. Nicht für einen Moment – sondern lange.
Diese Leere war eines der ersten Zeichen, die ich ernst nahm.

Weil sie mich vollständig erfasste.

Einschränkungen bei Post Covid: Wenn der Körper unzuverlässig wird.

Mit der Zeit zeigten sich auch körperliche Einschränkungen, die sich nicht mehr ignorieren ließen. Mir fielen Gegenstände aus der Hand, weil Muskeln und Gelenke versagten.

Bewegungen fühlten sich unsicher an. Mein Gleichgewichtssinn spielte verrückt.
Ich hatte das Gefühl, meinem Körper nicht mehr vertrauen zu können.

Trotzdem wollte ich funktionieren. Ich wollte gut sein in meinem Job.
Ich wollte ankommen – in meiner neuen Wohnung, in meiner neuen Heimat.
Ich wollte Kontakte knüpfen, die Umgebung erkunden, mein Leben aufbauen.

Doch nichts davon gelang.

Belastungsintoleranz: Warum Bewegung und Natur plötzlich schaden

In Absprache mit meinem damaligen Dienstgeber nahm ich eine Auszeit.

Zunächst war ich euphorisch und motiviert. Die Natur hatte damals noch eine spürbare Wirkung auf mich. Ich glaubte, dass Bewegung und frische Luft mir helfen würden.

Die erste Wanderung zeigte jedoch, dass etwas grundlegend nicht stimmte. Ich bekam kaum Luft, musste alle paar Meter stehen bleiben. Und trotzdem zwang ich mich weiterzugehen – so, wie ich es gewohnt war. Ich war fest davon überzeugt, dass ich nur aus der Übung war und es morgen leichter wird.

Am nächsten Tag folgten starke Schmerzen und eine bleierne Erschöpfung.

Nach drei Wochen, viel Zeit in der Natur, einigen Wanderungen und Ausflügen später dachte ich dennoch, alles sei wieder in Ordnung.

Doch bereits nach dem zweiten Arbeitstag war ich wieder am selben Punkt wie zuvor.

Heute weiß ich: Das war kein Trainingsmangel, sondern ein Ausdruck von Belastungsintoleranz, wie sie bei Post Covid und später auch bei PEM auftreten kann.

Arbeitsunfähigkeit bei Post Covid: Wenn Stillstand unausweichlich wird

Auf Anraten meiner Hausärztin suchte ich eine Psychiaterin auf.

Sie stellte eine Diagnose und sagte einen Satz, der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist:

Entweder Sie steigen jetzt voll auf die Bremse – oder das geht nicht mehr lange gut.

Auch wenn diese Diagnose sich später als unzutreffend herausstellte, war es das erste Mal, dass ich Stillstand zulassen konnte. Zumindest beruflich – ich stimmte dem empfohlenen Krankenstand zu.

Ich verlor meinen Job. Das Unternehmen war nicht bereit, den notwendigen Krankenstand mitzutragen. Plötzlich saß ich in einer neuen Stadt – allein, ohne Arbeit, mit einer gesundheitlichen Einschränkung, die ich nicht verstand.

Zum ersten Mal fühlte es sich an, als wäre ich frontal gegen eine Wand gefahren.

Perspektivenlos. Mit Existenzängsten. Und der immer gleichen Frage:

Wie soll es nun weitergehen?

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