PEM – wenn Aktivität zu Verschlechterung führt

Warum kleine Anstrengungen große Folgen haben können

Hinweis:

Dieser Beitrag ist bewusst ruhig und klar gehalten.
Am Ende findest du eine kurze Zusammenfassung für Tage mit wenig Energie.

Ein persönlicher Erfahrungsbericht mit Einordnung

PEM (umgangssprachlich auch Crash genannt) ist eines der am häufigsten missverstandenen Symptome bei Post Covid und ME/CFS.
Und gleichzeitig eines der folgenreichsten.
Viele Betroffene merken erst spät, dass nicht die Erkrankung selbst das größte Problem ist – sondern das, was passiert, wenn man trotz Einschränkungen weitermacht wie gewohnt.

Auch bei mir war PEM lange schwer einzuordnen. Nicht, weil ich die Erschöpfung nicht gespürt hätte – sondern weil die Reaktion meines Körpers oft zeitversetzt kam. Und damit nicht eindeutig zuordenbar schien.

Was PEM bedeutet

PEM steht für Post-Exertional Malaise und wird umgangssprachlich häufig als „Crash“ bezeichnet.
Auf Deutsch wird es häufig als Belastungsintoleranz beschrieben.

Gemeint ist damit eine krankhafte Zustandsverschlechterung nach Belastung, die in keinem Verhältnis zur Aktivität steht.

Diese Belastung kann sein:

  • körperlich (z. B. Gehen, Haushalt, Bewegung)
  • geistig (z. B. Bildschirmarbeit, Gespräche, Konzentration)
  • emotional (z. B. Stress, Konflikte, Reizüberflutung)

Entscheidend ist:

PEM ist keine normale Erschöpfung und auch kein Muskelkater. Es ist eine systemische Reaktion des Körpers auf Überforderung.

Wie sich PEM äußern kann

Die Symptome von PEM sind individuell unterschiedlich und können sich von Phase zu Phase verändern. Häufig berichten Betroffene über:

  • massive körperliche Schwäche
  • starke Erschöpfung, die sich nicht durch Ruhe bessert
  • Brain Fog und kognitive Einbrüche
  • Kreislaufprobleme
  • grippeähnliche Symptome
  • verstärkte Reizempfindlichkeit
  • Schlafverschlechterung
  • emotionale Instabilität

Nicht alle Symptome treten gleichzeitig auf. Und nicht jede Belastung führt sofort zu einer Reaktion.

Das Tückische: die zeitverzögerte Reaktion

Ein zentrales Merkmal von PEM ist die Verzögerung.

Die Verschlechterung tritt oft:

  • Stunden später
  • am nächsten Tag
  • oder erst nach ein bis zwei Tagen auf

Das macht PEM schwer erkennbar – besonders für Betroffene selbst. Was sich im Moment noch „okay“ anfühlt, kann sich später deutlich rächen.
Diese zeitliche Verschiebung führt dazu, dass Belastung und Konsequenz oft nicht miteinander in Verbindung gebracht werden.

Warum PEM so oft missverstanden wird

PEM widerspricht vielen gängigen Vorstellungen von Gesundheit.

In unserer Leistungskultur gilt:

  • Bewegung hilft immer
  • Aktivität baut auf
  • Training macht stärker

Bei PEM ist das Gegenteil der Fall.

Mehr Aktivität kann zu:

  • Rückschritten
  • längeren Erholungsphasen
  • Verschlechterung des Gesamtzustands führen

Aussagen wie „Du musst dich langsam steigern“ oder „Der Körper gewöhnt sich schon wieder daran“, “Du schaust ja schon viel besser aus” können für Betroffene langfristig schädlich sein.

PEM hat nichts mit mangelnder Motivation oder fehlendem Willen zu tun.

Leben mit PEM – meine Erfahrung

Für mich hat PEM meinen Alltag grundlegend verändert. Aktivität muss bewusst geplant werden. Erholung ist kein Bonus mehr, sondern Voraussetzung.

Ich musste lernen, Signale früh wahrzunehmen – auch dann, wenn der Kopf noch anderer Meinung ist. Und ich habe auch lernen müssen, dass Nicht-Tun manchmal die aktivste Form von Selbstfürsorge ist.
Das war – und ist – nicht einfach. Denn vieles, was früher selbstverständlich war, ist es heute nicht mehr.

Warum Pacing so wichtig ist

Aus dem Verständnis von PEM ergibt sich zwangsläufig das Konzept des Pacing: der bewusste, vorausschauende Umgang mit Energie.

Pacing bedeutet nicht:

  • sich gar nicht mehr zu bewegen
  • auf Entwicklung zu verzichten

Sondern:

  • Belastung so zu dosieren, dass PEM möglichst vermieden wird
  • innerhalb der eigenen Grenzen zu bleiben
  • Rückschritte zu reduzieren

Pacing ist kein Heilversprechen. Aber es kann helfen, das Nervensystem zu regulieren und den Zustand zu stabilisieren.

Akzeptanz statt Kampf

PEM zwingt dazu, alte Vorstellungen von Leistung zu hinterfragen.
Nicht jede Grenze ist verhandelbar.
Nicht jeder gute Tag ist belastbar.
Und nicht jede Pause ist freiwillig.

Akzeptanz heißt hier nicht Resignation. Sondern ein realistischer, ehrlicher Umgang mit dem eigenen Körper – auch wenn das von außen schwer verständlich ist.

Warum ich darüber schreibe

Ich schreibe über PEM, weil dieses Symptom oft unterschätzt wird – selbst unter Betroffenen.

Wer PEM versteht, versteht auch:

  • warum Rückschritte passieren
  • warum „mehr tun“ schaden kann
  • warum Stabilität wichtiger ist als Fortschritt

Aufklärung über PEM ist keine theoretische Frage. Sie entscheidet über den weiteren Krankheitsverlauf.

Kurz zusammengefasst (für Tage mit wenig Energie)

  • PEM steht für Post-Exertional Malaise (Belastungsintoleranz).
  • Es beschreibt eine deutliche Verschlechterung nach körperlicher, geistiger oder emotionaler Belastung.
  • Die Reaktion tritt häufig zeitverzögert auf.
  • PEM ist keine normale Erschöpfung und keine Frage von Motivation.
  • Mehr Aktivität kann zu Rückschritten führen.
  • Pacing hilft, Belastung bewusster zu steuern und Stabilität zu fördern.

Hinweis

Dieser Beitrag basiert auf meiner persönlichen Erfahrung und dient der Information. Er ersetzt keine medizinische Beratung.

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