Die Magie der Veränderung – vom Werden zum Sein

„Vielleicht geht es auf dem Weg gar nicht darum, irgendetwas zu werden.
Vielleicht geht es darum, alles abzulegen, was wir nicht sind,
sodass wir das sein können, wofür wir bestimmt sind.“ 

– Paulo Coelho

Dieses Zitat begleitet mich seit vielen Jahren. Nicht, weil es laut ist – sondern weil es etwas ausspricht, das ich lange gespürt, aber nicht benannt habe.

Veränderung beginnt selten mit einem großen Entschluss. Oft beginnt sie leise. Mit dem Gefühl, dass das eigene Leben funktioniert – sich aber nicht stimmig anfühlt.

Wenn uns von klein auf gesagt wird, aus uns soll einmal was werden

„Aus dir muss etwas werden.“

Dieser Satz begegnet uns früh. Oft gut gemeint und als Motivation gedacht. Und doch trägt er eine leise Botschaft in sich: “So, wie du bist, bist du nicht genug.

Dabei sind wir von Beginn an Persönlichkeiten. Wenn ich an meine Tochter denke – oder an mich selbst –, dann war da schon früh ein klarer Charakter. Eine eigene Art zu fühlen, zu denken, zu sein.

Im Laufe unseres Lebens eignen wir uns jedoch vieles an, was uns im Grunde nicht entspricht. Wir übernehmen Erwartungen, entwickeln Strategien, schlüpfen in Rollen. Nicht aus falschen Motiven – sondern, um dazuzugehören. Um zu funktionieren. Um anerkannt zu werden. Und irgendwann wissen wir sehr genau, wie wir sein sollten – aber kaum noch, wer wir sind. Oft verstärkt Perfektionismus genau dieses Gefühl des Sich-Verlierens.

Persönliche Entwicklung beginnt nicht im Werden, sondern im Sein

Lange habe ich geglaubt, Veränderung bedeute, mehr zu werden. Stärker. Klarer. Richtiger. Angepasster. Doch je mehr ich versuchte, jemand zu werden – einem Ideal zu entsprechen – desto weiter entfernte ich mich von mir selbst.

Vielleicht liegt hier ein grundlegendes Missverständnis: Veränderung bedeutet nicht, die eigene Persönlichkeit zu überlagern, sondern die Fassade, die uns begrenzt, abzutragen. Es ist vielmehr ein Ablegen von Bildern, Erwartungen und Rollen, die wir über Jahre getragen haben – obwohl sie nie wirklich zu uns gehörten. Ein Zurückkehren, zu dem was darunter liegt.

Sein statt Streben

Als ich das verstand, wurde mir bewusst: Je weniger ich versuchte, etwas zu erreichen, desto mehr begann ich, bei mir anzukommen – besonders dort, wo Wahrnehmung wieder Raum bekam.

Nicht alles muss geklärt, entschieden, “richtig” und schon gar nicht perfekt sein. Dadurch entstand Raum. Für Wahrnehmung, für Stille und für das, was zwischen den Zeilen liegt.

Vielleicht liegt die Magie der Veränderung genau hier: Nicht im Streben nach dem Nächsten – sondern im Annehmen dessen, was jetzt ist.

Für dich zum Nachspüren

Vielleicht stehst auch du an einem Punkt, an dem sich etwas verändern will – ohne dass du genau benennen kannst, was. Dann darfst du wissen: Veränderung beginnt nicht mit einem Ziel. Sondern mit der Bereitschaft, ehrlich hinzusehen. Und manchmal reicht es, aufzuhören, jemand werden zu wollen.

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